Legal Technology verändert die Rechtsabteilung

Zurück in die Zukunft

Compliance-Verstöße sind in vielen Unternehmen an der Tagesordnung, vor allem im internationalen Kontext. Sie können immense Schäden verursachen. Um ihnen auf die Spur zu kommen, bedienen sich viele Firmen elektronischer Analysetools. Die von Legal Tech ausgelösten Veränderungen der Rechtsabteilung bergen Chancen und Risiken. In dem Maße, in dem die langfristigen Möglichkeiten die Investitionstätigkeit bestimmen, werden die Gefahren schwinden.

Legal Technology hat sich seit 2014/15 mit enormer Geschwindigkeit einen festen Platz in den Schlagzeilen der juristischen Fachpresse erobert. Allerdings fällt das Thema nicht aus heiterem Himmel auf die Legal Community; mittlerweile wird in den USA und Großbritannien bereits an der dritten Generation von Legal-Tech-Anwendungen gearbeitet. Diese Entwicklung wird auch hier die Arbeitswelt der Juristen unweigerlich verändern. Die Frage ist allenfalls, wie schnell und wie stark diese Veränderung sein wird. Das Schreckensszenario sieht dabei so aus: Mit Künstlicher Intelligenz versehene Roboter, genauer: Bot-Technologien, die ungeheure Datenmengen jederzeit abrufen und mit rationaler Kompetenz selbst komplexeste juristische Probleme lösen können, werden die Rechtsanwälte in den juristischen Abteilungen der Unternehmen und in den Anwaltskanzleien entbehrlich machen.
Doch wird es tatsächlich so kommen? Wagen wir einen Blick in die Zukunft und begeben uns auf eine Zeitreise, ähnlich wie im Roman „Die Zeitmaschine“ von H.G. Wells oder in der humorvollen Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft“, in der der junge Marty McFly und der verrückte Professor „Doc“ Brown mit einem DeLorean-Sportwagen mit eingebauter Zeitmaschine unterwegs sind. Meine Ausgangsthese: Auch in 50 Jahren werden Rechtsanwälte aus Fleisch und Blut noch gebraucht werden. Allerdings werden sie in einer hochkomplexen Arbeitswelt mehr und mehr von digitalen Helfern unterstützt. Von Routinearbeiten entlastet, können sie sich auf die wesentlichen, die intellektuellen Arbeiten konzentrieren und mit Rechnerunterstützung erheblich bessere Ergebnisse erzielen. Anwälte müssen sich vor der Zukunft nicht sorgen. Aber sie sollten sich heute schon auf darauf vorbereiten. Denn Legal Tech ist Teil der um sich greifenden Digitalisierung der Wirtschaft, die aufgrund der damit einhergehenden Veränderungen der Arbeitswelt nicht umsonst als die vierte Stufe der Industrialisierung bezeichnet wird.
Das aber bedeutet: Die technikinduzierte Evolution erfordert einen neuen Umgang mit der Arbeit, der Einstellung der Menschen zur Arbeit und vor allem mit der Organisation und Führung von Unternehmen.
Es ist menschlich nur zu verständlich, diese Entwicklung zunächst einmal als Risiko für den eigenen Status zu betrachten und ihr ablehnend gegenüber zu stehen. Warum etwas ändern, wenn es doch gut geht? Die Ergebnisse der Legal-Tech-Studie 2018 legen nahe, dass zumindest die erste Stufe der Veränderung, die vor allem die Büroorganisation, Dokumentenverwaltung und Rechnungslegung in den Blick nimmt, in den Rechtsabteilungen angekommen ist. Die „Digital Readiness“ in Bezug auf Legal Tech 2.0 für teilautonomisierte Rechtsdienstleistungen und Legal Tech 3.0 für die vollautomatische Abwicklung von rechtlichen Vorgängen wird dagegen in vielen Rechtsabteilungen noch als optimierungsfähig angegeben. In vielen Fällen dürfte das eine Frage der Größenordnung sein. In keiner Rechtsabteilung liegen die zum Auf- und Ausbau von Legal Tech erforderlichen Mittel auf Abruf parat. In der Regel haben aber größere Einheiten einen höheren Spielraum für als notwendig betrachtete Investitionen. Dennoch müssen Mittel-einsatz und -verwendung stets wirtschaftlich vertretbar sein.
Warum Legal Tech das Thema 
der Stunde ist und bleiben wird
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Rechtsberatungen ein sehr realistisches Bild von den auf sie zukommenden Herausforderungen haben. In absteigender Reihenfolge benennen sie als vordringliche Aufgaben das Managen der Schnittstelle zwischen IT und Rechtsberatung, die Neuorganisation und Neudefinition von Prozessen in der Rechtsabteilung, die interne Weiterbildung der Juristen und Syndici, vor allem in Hinblick auf IT-Fachwissen, sowie die Bewältigung einer höheren Arbeitsbelastung mit gleicher Belegschaft. Alle Maßnahmen, um diese Aufgaben anzupacken, sollten jedoch im Rahmen einer gezielten Strategie erfolgen. Und an dieser Stelle hapert es noch: So geben nur etwas mehr als 3 Prozent der Rechtsabteilungen an, über eine gezielte Legal-Tech-Strategie zu verfügen. Etwas mehr als ein Drittel haben eine Strategie in Planung, und fast 60 Prozent der Rechtsabteilungen geben an, noch keine Strategie formuliert zu haben. Das widerspricht der Einsicht, die etwas mehr als zwei Drittel aller Rechtsabteilungen teilen, wonach Legal-Tech-Dienstleistungen und Services in Zukunft unverzichtbar für ihre Arbeit sind.
Digitalisierung kann nur gelingen, wenn eine Vision und Umsetzungsidee davon entwickelt wird, wie neue digitale Geschäftsmodelle und Produkte aussehen könnten. Hierbei wird klar werden, dass Digitalisierung nicht das schlichte Installieren von bestimmten Tools bedeutet, sondern einen ganz neuen Blick auf bestehende Geschäftsmodelle, Produkte und Prozesse erfordert. Die Definition einer Digitalisierungsstrategie ist herausfordernd, wird aber denjenigen Rechtsabteilungen und Kanzleien, die sich jetzt ernsthaft damit auseinandersetzen, Wettbewerbsvorteile sichern. Ich bin mir sicher, dass wir 2018 in sehr vielen Rechtsabteilungen und Wirtschaftskanzleien die konkrete Ausbildung einer Digitalisierungsstrategie erleben werden.
Dabei ist es entscheidend wichtig, ab sofort die weitere Entwicklung von Legal Tech genau zu beobachten. Zu den interessantesten Veränderungen, die zu erwarten sind, zählen aus meiner Sicht neue Abrechnungsmodelle. Der um sich greifende Einsatz von Legal-Tech-Tools wird sich auf die traditionellen Abrechnungsmodelle von Kanzleien auswirken, etwa in dem für standardisierte Aufgaben Festpreise eingeführt werden. Für andere Aufgaben werden die Kanzleien womöglich ganz neue Monetarisierungsmodelle finden. Da sich nicht nur in der deutschen Wirtschaft insgesamt, sondern auch in den Rechtsabteilungen und Kanzleien eine positivere Einstellung gegenüber cloudbasierten Softwarelösungen durchsetzt, dürfte das Angebot an leicht zu nutzenden und preisgünstigen Legal-Tech-Produkten steigen. Außerdem werden für die Rechtsberatung von Unternehmen Plattformen entstehen, wie es sie heute schon für Verbraucher gibt. Aufgrund ihrer Transparenz und Economies of Scale werden sich diese Plattformen, ähnlich wie es Uber für Taxifahrten oder AirBnB für Übernachtungen gemacht haben, in die Rolle als Vermittler von Rechtsdienstleistungen hineindrängen. Ob sie dort dauerhaft einen Platz bewahren können, wird sich freilich erst noch zeigen. π Prof. Dr. Peter Körner 
(weitere Informationen online unter www.cli.institute)

Juni, 2018

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07Jun18:0020:00Regionalgruppensitzung Nord/Hamburg

12JunAll DayWorkshop: Unternehmenstransaktionen mit Private Equity

14Jun(Jun 14)0:0015(Jun 15)23:59Digital Legal Counsel - Juni

14JunAll DayWorkshop: Unternehmenstransaktionen mit Private Equity

14Jun10:0016:00Workshop: „Durchsuchungen – Unternehmen im Fadenkreuz von Ermittlungsbehörden“

14Jun13:0020:00Workshop: 3. Stuttgarter Automobil-Rechtstag

18Jun(Jun 18)18:0019(Jun 19)18:10M&A Summit 2018

19Jun(Jun 19)18:3020(Jun 20)18:00Corporate Summit 2018

21Jun19:00BUJ Sommerfest



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